GURPS DSA – Wirklich eine gute Idee?

This is a German variant of the English article. There isn’t much here that isn’t in the English version.

In der irrigen Annahme, dass jemand aus Deutschland daran interessiert sein könnte, hier noch eine Version des letzten Artikels in der Originalsprache des Schwarzen Auges.

Als langjähriger Freund und Playtester von GURPS habe ich schon manche Konversion unternommen, aber von DSA hatte ich mich immer ferngehalten bis alter Freund mal wieder spielen wollte und wir nach zwei Abenteuern feststellen mussten, dass niemand die Regeln mochte.

Für den geneigten deutschen Leser – d.h. jemanden, dem Pen & Paper Rollenspiele bekannt sind – brauche ich nicht viele Worte um DSA zu machen, aber ein paar Stichpunkte zu den Eigenschaften des Settings sind natürlich nützlich.

Gutes

1) DSA ist ein dichtes Setting. Nicht jeder Spielleiter – auch nicht jeder GURPS-SL – ist gut im Worlbuilding und DSA hat genug Material, dass so ein Makel nie auffallen wird. Die Welt ist – für eine Fantasywelt – auch nicht zu unlogisch (jaja, die Klimazonen, ich weiß).

2) Der Support mit neuem Material ist sichergestellt. Alte Abenteuer sind auch gut als PDF zu erhalten. Insgesamt ist der Support vergleichbar mit GURPS, wenn auch mit anderer Stoßrichtung (Setting, Abenteuer) und etwas schwankender Qualität.

3) Durch die Abenteuer und das sehr ausgestaltete Setting nimmt DSA dem Spielleiter viel ab. Wer keine vorgefertigten Abenteuer mag, ist natürlich falsch beraten DSA oder eine GURPS-Variante zu seinem System zu erküren.

4) Es gibt jede Menge originelle Charakterkonzepte. Nicht nur vermeidet man den Standard-Krieger und -Magier, Charaktere wie Schelm, Zibilja, Kristallomant oder Geweihter laden zum etwas anderen Rollenspiel ein. Abstimmung mit Gruppe und SL ist dabei natürlich immer wichtig.

5) Die große Fangemeinde macht das Finden von Spielern recht einfach. Ob das auch für die GURPS-Variante zutrifft kann ich nicht sagen, aber eine bestehende DSA-Gruppe zu überzeugen, die GURPS-Regeln auszuprobieren war bei mir machbar.

Schlechtes

1) Das Setting kann überwältigend sein. Der prospektive SL sollte sich klar machen, wie nahe er am “offiziellen” Aventurien bleiben will und wie fanatisch seine Spieler auf dem Kanon beharren. Abenteuer sind besonders schlimm in dieser Hinsicht mit ihren Orts- und Zeitbeschränkungen. Jedoch ist es häufig möglich letztere zu umgehen, wenn man den Kleinkram überliest. Ortsbeschränkungen sind dagegen oft nicht zu ändern, auch wenn die Abenteuer es manchmal übertreiben. Hier könnte eine gute Liste Abhilfe schaffen, aber bislang konnte ich noch nichts finden.

2) Über die Regeln kann man einiges sagen, aber viel Gutes ist nicht dabei. Ohne Automatisierung ist die Charaktererstellung ein einziger Horror, die Talent-Probe ist ein schlechter Witz, der aber für 50% des Spiels verantwortlich ist, Sonderfertigkeiten machen aus realistischer Perspektive selten Sinn und Beschränkungen wie Elfische Weltsicht sind einfach blöd. Vieles was an der vierten Edition gut ist (echte Vor- und Nachteile, mehr Kampfoptionen, Variation von Zaubern) wurde von anderen Systeme (v.a. GURPS) mehr schlecht als recht übernommen. Schwer wiegt auch die Tatsache, dass vieles einfach nicht so zum Hintergrund passt wie man ihn aus Romanen und Zitaten kennt.

3) DSA-Fans sind oft recht fanatisch. Einerseits ist das gut, da die Spieler dann nicht schnell die Lust verlieren, andererseits muss man sich als SL oft mal auf die Finger klopfen lassen. Und es ist auch nicht witzig sich von realweltlichen Praioten runterputzen zu lassen, nur weil man eine Hexe in der Gruppe hat.

4) Die Kosten für die Materialien sind hoch. Auch wenn man sich als GURPS-SL auf die Basics beschränken kann wird man doch an Schwerter & Helden, Zauberei & Hexenwerk, Götter & Dämonen und einigen Hintergrundwerken nicht vorbei kommen. Selbst als PDF laufen diese drei veralteten “Grund”regelwerke auf 60€ heraus. Das (gerade noch) aktuelle Wege-Paket schlägt sohar mit 90€ zu Buche. Und damit sind noch nicht die Hintergrüne und Abenteuer abgedeckt. Okay, GURPS ist auch nicht gerade billig, aber die Vielzahl von DSA-Regionalbänden kann den Erwerb recht teuer machen (zumal nicht alle als PDF vorhanden sind).

5) Der Sprach-Mix macht’s schwer. Die vierte Edition von GURPS gibt es nur auf Englisch und DSA gibt es praktisch nur auf Deutsch. Ich muss tatsächlich mal nachfragen, ob es legal ist Übersetzungen zu posten. DSA mit englischen Skills und Disadvantages zu spielen macht jedenfalls nicht soviel Spaß.

Schönes

Warum sollte man sich überhaupt an einer Konversion versuchen? Da gibt es durchaus Gründe dafür:

1) Etwas, das GURPS immer wieder Probleme bereitet, ist das Fehlen detaillierter Settings. Ja, es gibt die Infinite Worlds, in die man jedes Setting einbetten kann. Sowohl für Infinite Worlds als auch für Banestorm gibt es sogar eine kleine Quellenbücher, aber das war’s dann auch schon, wenn man sich nicht auf Transhuman Space und dessen Übergang von 3. auf 4. Edition einlassen will. GURPS ist nichts für SLs, die ein komplettes Setting mit allen wichtigen NSCs, detaillierten Stadtbeschreibungen und einer fortlaufenden Timeline erwarten. Das heisst aber nicht, dass jeder GURPS-SL ständig nur eigene Sachen erfinden will. Manchmal ist es auch einfach schön sich einfach auf eine existierende Welt einzulassen.

2) DSA ist, im Gegensatz zu Spaßvögeln wie D&D und Rifts, einfach zu konvertieren. Ja, es gibt viel Material, aber vieles davon braucht keine Spielwerte. Es gibt nicht in jedem dritten Buch zwanzig neue Rassen und Monster. Das Regelsystem versucht realistisch zu sein (Attacken und Paraden, Rüstungen, die tatsächlich Schaden aufhalten, keine arbiträren “3 x pro Tag”-Kräfte, energiebasierte Zauber und so weiter und so fort. Wenn man sich von der inneraventurischen Wirklichkeit leiten lässt, so muss man nicht alle Heldentypen konvertieren, sondern kann sich auf den gesunden Menschenverstand der Spieler verlassen. Natürlich sind Magie und Götterwirken eine Ausnahme. Natürlich müssen Rassen und Kreaturen Stats haben, aber das ist kein unüberwindliches Problem.

3) GURPS macht DSA tatsächlich besser. Techlevel, Vertrautheiten, Martial-Arts-Stile, Göttliche Gnade, detaillierte Rüstungen, Regeln für Höhlenforschung, ausgewogene Vor- und Nachteile, realistische Fertigkeiten, Start mit erfahrenen Charakteren und vieles mehr.

Nicht so schönes

Einige Sachen komplizieren die Konversion:

1) GURPS Magic braucht nach all den Jahren immer noch ein Patch. Eines der wenigen Büchern, bei denen die Qualität auf der Strecke blieb.

2) Es gibt immer noch kein aktuelles GURPS Bestiarium. Man kann aber auf andere Publikationen und die alte Version zurückgreifen.

3) Gibt es überhaupt ein Interesse daran. Klar mache ich das sowieso für meine Gruppe, aber es wäre schon schön zu wissen, dass andere auch daran Interesse hätten. Warum sollte man’s sonst posten? Kommentare sind also sehr willkommen.

Für’s Erste wird das der letzte GURPS DSA Artikel in deutscher Sprache sein. Vielleicht schreibe ich ja noch Übersetzungen für die folgenden Artikel, wenn ich ein paar Hits aus Deutschland kriege. Bei Kommentaren schreib ich definitiv was.


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